Tibet - vom Tod der höchsten Kultur auf dem Dach der Welt
Die von Beijing erfolgreich geförderte Umsiedlung von Chinesen nach Tibet führt dazu, dass die Tibeter im eigenen Land mit der Zeit zu einer bedeutungslosen Minderheit geworden sind. Lockende Versuchungen in Form von großzügigen Geldgeschenken im Lohn oder auch Prämien, spornen die Chinesen an, in Tibet zu siedeln. Auch zusätzliche freie Tage und Sonderurlaub fördern das Interesse chinesischer Pioniere an diesem sehr dünn besiedelten, weiten und ‘noch unzivilisierten und wilden Land’. Den heute knapp noch 5 Millionen Tibetern stehen bereits fast 8 Millionen Chinesen gegenüber.
Jeder chinesische Neuankömmling erhält sofort eine Arbeitsstelle. Tibeter die diese Stelle innehaben, müssen sie zwangsweise abgeben und werden in die Arbeitslosigkeit, die es in diesem ‘kommunistischen’ System Chinas offiziell nicht gibt, abtreten. Da es keine Arbeitslosigkeit gibt, erhält der Tibeter ohne Beschäftigung auch keine Unterstützung. Damit wird er zur Gefahr für die öffentliche Sicherheit, denn er kann ja durch Kriminalität, wenn er überleben will, seinen Lebensstand sichern.
Die ethnisch-religiöse Ausgrenzung der Tibeter und das öffentliche Vorgehen gegen kleine Händler und Arbeitnehmer steigert sich so weit, dass Erinnerungen an eine vergleichbare Zeit in Deutschland akut werden. Tibetanische Händler und Geschäfte werden boykottiert. Wer gegen die Diskriminierungen der Chinesen gegen die Tibeter aufbegehrt wird mit Strafmaßnahmen belegt.
Gehorsam und eine Mentalität des ‘nichts-sehen-wollen’ wird großzügig gefördert. In der ethnischen Zweiklassengesellschaft, stehen die Tibeter auf unterster Stufe. Sie dienen den Herren aus China - wenn sie dazu überhaupt noch gebraucht werden. Ohne Einkommen haben sie keine Chance zu überleben. Entweder müssen sie das Land verlassen, oder sie werden zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. Die Gründe dafür sind oftmals mehr als fragwürdig. Es genügt einfach schon, Tibeter zu sein. Gründe finden sich dann immer.
Sprachlich gilt nur Chinesisch. Die tibetanische Sprache wird in der Öffentlichkeit und an den Arbeitsplätzen nicht anerkannt.
Manche der großen Städte wurden nach dem Einmarsch chinesischer Truppen errichtet. Sie werden heute oftmals nur von Chinesen bewohnt. Andere Städte bestehen teilweise nur noch zu 5 bis 10 % aus Tibetern.
Nach Demonstrationen gegen die Politik Beijings wurden Mönche und Nonnen inhaftiert und häufig ohne Anklage zu langjährigen Haftstrafen verurteilt, wenn sie überhaupt verurteilt werden und nicht sogar ohne Verhandlungen spurlos irgendwo verschwinden.
Weitere Gründe für politische Verfolgung sind unter anderem die Verbreitung von Flugblättern, die öffentliche Verwendung der tibetanischen Fahne oder kritische Unterhaltungen mit Touristen, um sie über die Vorgänge im Land zu informieren.
Einzelhaft und Folter sowie gewaltsame Blutentnahme bei Gefangenen gehören zu den üblichen Vorgehensweisen. Stockschläge und Elektroschocks sind insbesondere bei Frauen üblich. Die Vergehen reichen bis zu Vergewaltigungen bei Nonnen. Auch Hunde werden auf nackte Gefangene gehetzt.
China schreibt den Frauen vor, wann sie ein Kind bekommen dürfen. Dafür bleibt die Zeitspanne von 10 Jahren zwischen dem Alter von 25 bis 35 Jahren. Kinder, die vorher oder nachher gezeugt werden, müssen abgetrieben werden. Dieses gilt in Tibet auch für tibetische Frauen. Werden früher oder später heimlich Kinder geboren, erfolgt entweder eine Bestrafung der Frau und Familie, oder aber eine Zwangsabtreibung wird zuvor durchgesetzt, unabhängig wie kurz oder lang vor der möglichen Geburt. Nach nur einem Kind erfolgt im Regelfall eine Zwangsterilisation der Frau. Wer dieser Maßnahme freiwillig zustimmt, erhält dafür eine Prämie in Höhe der Kosten für die ärztliche Maßnahme, die selbst finanziert werden muss. Zusätzlich wird diese Frau dafür noch öffentlich gelobt. Behinderte Frauen, was auch immer die Regierung in Beijing darunter versteht, werden grundsätzlich zwangsweise sterilisiert. Sie sind unfähig für Kinder und gelten damit als wertlos in der Gesellschaft. Gedanken an eine Euthanasie sind nicht zu vermeiden, besonders wenn der Aspekt berücksichtigt wird, dass in öffentlichen Krankenhäusern geborene tibetische Kinder erstickt, zu Tode gespritzt oder mit kochendem Wasser getötet werden. Ärzte und Krankenschwestern, die sich weigern mitzumachen, werden entlassen. Zwangsabtreibungen unter tibetischen Frauen sind nicht selten.
Die Zerstörung des Landes durch Raubbau der Ressourcen und der Missbrauch als chinesisches Atombombentestgebiet ist hier nur ein weiteres Mosaik in dem Bild, vor dem die Welt die Augen verschließt. Die aufgeführten, ’sehr harmlosen’ und auch noch für den Leser vertretbaren, jedoch bei weitem nicht allen Auflistungen und auch nicht in ihrer vollen Brutalität beschriebenen Schilderungen stammen von Aussagen überlebender, geflüchteter Opfer, Zeugen, die nicht mehr schweigen wollen und können, sowie von Menschenrechtsorganisationen. Für weitere Informationen bleibt es jedem Menschen frei, sich selbst bei geeigneten Stellen zu erkundigen.
Seit einiger Zeit gibt es das Blue Book, das Blaue Buch. Es ist einem tibetischen Reisepass nachempfunden der den Inhabern andeutet, dass sie durch ihre Beiträge für das tibetanische Volk zu einer Art ‘Staatsangehöriger’ Tibets werden. Mit der Unterstützung werden Flüchtlinge versorgt, Ausbildung und Schulen finanziert oder auch Klöster wieder errichtet. Durch dieses Solidaritätsbündnis für Tibet werden ebenso Folteropfer, besonders Frauen und Kinder, medizinisch und psychologisch betreut.
Ein Schulsystem und der Erhalt der tibetanischen Kultur, auch außerhalb des Landes in den Flüchtlingscamps, wird mit diesen Spendengeldern finanziert. Auch soll die tibetische Literatur in der Heimatsprache gefördert und erhalten werden.
Dass es den Chinesen hier nicht um eine Befreiung Tibets geht - eine nach chinesischem Diktum oft von ‘unwissenden und verklärten Romantikern’ angegebene Behauptung - ist auch daran erkennbar, da der Dalai Lama, um Frieden zu erreichen, China angeboten hat, Tibet solle als chinesische Provinz erhalten bleiben, wenn dafür die Menschenrechtsverletzungen und Verfolgungen an den Tibetern eingestellt werden.
Die Reaktion aus Peking ist eindeutig: Man erwartet dort den Tod des Dalai Lama.
Es geht demnach nicht um die Befreiung eines Volkes nach sozialistischem Weltbild. Ethnisch-religiös bedingter Mord an einem ganzen Volk basierte schon immer auf anderen Hintergründen, zum Vergleich denke man hier an einen ähnlichen, wenn auch nicht vergleichbaren Fall, den Genozid aus braunem Verlangen.
Der Versuch des sich wandelnden und gewandelten roten(?) China, hier ein Volk und seine Kultur zu beseitigen, scheitert seit 50 Jahren am Widerstand, der Hoffnung und dem Glauben. Jedoch ist die Situation in Tibet selbst anders als in den Flüchtlingslagern und bei den zwischenzeitlich weltweit lebenden Tibetern. Halten die Tibeter nur lange genug durch, werden sie stärker als je zuvor aus dem Martyrium hervorgehen.
Infos über die Geschichte Tibets
Free Tibet
MfG
Angela Stegerwald und Rudolf Schulz
